Martinskirche und Burg Trausnitz in Landshut

Geothermie GeoPuls Landshut

Gibt es in Landshut Potenzial für Erdwärme? Können wir damit einen Beitrag zur lokalen Wärmeversorgung und zum kommunalen Klimaschutzkonzept leisten? Die Voraussetzungen dafür halten die Stadtwerke für vielversprechend. Darum wird im Spätherbst 2026 der Landshuter Untergrund auf seine geothermischen Potenziale untersucht. Ziel ist es, tiefe Erdwärme aus dem Malmkarbonat-Gestein zu erschließen – in etwa 500 bis 900 Metern Tiefe.

+++ 31. Oktober 2026:  Info-Samstag im Kundenzentrum, Altstadt 74, von 10 bis 13 Uhr. Interessierte können Projektleiter Simon Meier ihre Fragen zur Seismik-Messung und zum Geothermie-Projekt stellen. +++

+++ 14. November 2026: Infoveranstaltung mit einem Vibro-Truck auf dem Stadtwerke-Gelände, Christoph-Dorner-Straße 9, von 11 bis 14 Uhr. Interessierte können sich bei Mitarbeitenden der Stadtwerke sowie der für die Messung beauftragten Firma DMT Group darüber informieren, wo und warum das Spezialfahrzeug zum Einsatz kommt, wie die Messungen und Sicherheitsvorkehrungen ablaufen, welche möglichen Auswirkungen zu erwarten sind und was die Ziele des Projekts sind. +++

Tektonische Gliederung Ostbayerns und angrenzender Gebiete

Potenzial für einen Beitrag zur lokalen Wärmewende

Geologisch befindet sich die Stadt Landshut im östlichen Bereich des Molassebeckens, konkret über dem im Untergrund verborgenen, aber strukturell besonderen Landshut-Neuöttinger Hoch.

Besonders günstig ist, dass in Landshut eine ausgesprochen starke Wärmeanomalie vorliegt. Das bedeutet, dass selbst in vergleichsweiser geringer Tiefe höhere Temperaturen erwartet werden. Daten aus dem Bayerischen Geothermieatlas zeigen bereits an der Obergrenze des Malm Temperaturen von rund 50 Grad Celsius. Aufgrund der innerhalb des Malms weiter zunehmenden Temperatur werden am potenziellen Bohrstandort im Bereich des Isartals Thermalwassertemperaturen von über 60 Grad Celsius erwartet.

Durch mehrere Forschungsbohrungen sowie die Geothermiebohrungen Altdorf liegt eine gute Datengrundlage in Bezug auf Referenzbohrungen vor. Die Bohrungen in der Umgebung geben Hinweise auf eine ausgeprägte Verkarstung des Malms. Je nach tatsächlicher Ausprägung und Mächtigkeit könnte das Fördermengenpotenzial durchaus ergiebig sein.

Warum Geothermie in der Stadt und nicht mit Altdorf?

Im Jahr 2024 prüften die Stadtwerke noch einmal intensiv eine Zusammenarbeit mit dem seit Jahren im Raum stehenden Geothermie-Projekt in Altdorf. Dafür wurde ein Ingenieurbüro beauftragt, die vorhandenen Berechnungen zu prüfen und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für eine Zusammenarbeit mit Altdorf als Entscheidungsgrundlage zu erstellen. Parallel dazu entstand eine erste grobe Bewertung eines alternativen Geothermie-Projektes im Stadtgebiet – konkret im Bereich des Stadtbads, um beide Optionen nachvollziehbar vergleichen zu können.

Im Ergebnis stellte sich heraus, dass die Variante einer eigenen Geothermiebohrung im Stadtgebiet gegenüber der Option in Altdorf wirtschaftlich im Vorteil ist. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass große potenzielle Wärmeabnehmer – wie das Stadtbad und weitere öffentliche Gebäude – direkt im Umfeld des möglichen Bohrstandorts liegen und somit kurzfristig und mit geringeren Leitungsverlusten angeschlossen werden könnten.

Darüber hinaus erscheint in der Gesamtbetrachtung auch eine Anbindung an das bestehende Fernwärmenetz Mitte/Ost sinnvoll. Dadurch ließe sich der Wärmeabsatz langfristig steigern, da mit zunehmender Erschließung und Nachverdichtung zusätzliche Grundlastabnehmer eingebunden werden könnten, was das Projekt zusätzlich stabilisieren würde.

Erster Schritt: Die Seismik-Messung

Um ein genaues Bild vom Landshuter Untergrund zu bekommen, bereiten die Stadtwerke gerade eine sogenannte 2D-Seismik-Messung vor. Dabei soll ein detailliertes geologisches Modell erstellt werden, um geothermische Potenziale im Stadtgebiet zu prüfen. Hierzu fand auch am 19. Mai 2026 eine erste öffentliche Infoveranstaltung im Salzstadel statt. Im Herbst ist eine weitere Veranstaltung geplant.

Schema einer Seismik-Messung

FAQ | Fragen zur Seismik-Messung

Wie funktioniert eine Seismik-Messung?

Vibrationsfahrzeuge, sogenannte Vibro-Trucks, fahren entlang von zuvor geplanten Routen. Über Rüttelplatten erzeugen sie leichte Vibrationen, die als Schallwellen in die Tiefe gelangen. Diese Wellen werden im Untergrund von verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich reflektiert. Kleine Erdmikrofone, sogenannte Geophone, die zuvor entlang der Untersuchungsroute aufgestellt werden, zeichnen das Echo auf.

Während der Messarbeiten in Landshut werden voraussichtlich Ende November/Anfang Dezember 2026 zwei Vibro-Fahrzeuge unterwegs sein. Alle fünf Meter halten sie kurz an und vibrieren für 30 bis 60 Sekunden. Die Vibrationen sind hauptsächlich im engeren Umkreis der Fahrzeuge wahrnehmbar. An jedem Messpunkt stehen die Vibro-Trucks wenige Minuten, dann fahren sie zum nächsten Punkt weiter.

In bewohnten Gebieten werden begleitende Messungen an unmittelbar angrenzenden Gebäuden durchgeführt, um die Normen für Bauwerke einzuhalten.

Nach Abschluss der Messungen werden die Geophone wieder eingesammelt. Danach beginnt die fachliche Auswertung: Die aufgezeichneten Rohdaten werden zu einem Abbild des Untergrunds umgewandelt. Dieses Modell zeigt die Tiefen der verschiedenen Gesteinsschichten und bildet die Grundlage für die Beurteilung geothermischer Potenziale im Stadtgebiet.

Die Firma GEOPS GmbH kümmert sich im ersten Schritt um alle erforderlichen Genehmigungen von Behörden, Grundstückseigentümern und -nutzern, die von der seismischen Messung entlang der geplanten Messroute betroffen sind.

Wann und wo wird gemessen?

Der genaue Zeitpunkt der Seismik-Messung in Landshut steht noch nicht fest. Derzeit werden die Erlaubnisse und Genehmigungen eingeholt, damit die Vibro-Trucks die Straßen und Wege befahren dürfen. Erst wenn alle erforderlichen Erlaubnisse und Genehmigungen vorliegen, kann die Messung beginnen. Die Seismik-Routen können über den BayernAtlas eingesehen werden.

Was ist ein Geophon?

Ein Geophon ist ein Sensor, der sehr kleine Schwingungen im Boden erfasst und in Signale umwandelt. Bei der 2D-Seismik misst er die Schwingungen, die entstehen, wenn Schallwellen im Untergrund zurückgeworfen werden. Aus diesen Messdaten lässt sich der Aufbau des Untergrunds untersuchen.

Die Geophone werden entlang der Messrouten ausgelegt und bleiben während der Aufzeichnung ungefähr 14 Tage vor Ort. Bitte nehmen Sie sie nicht mit und verschieben Sie sie nicht: Jedes Geophon erfasst wichtige Daten an seinem Standort.

Falls Sie ein Geophon gefunden haben, das einzeln an einem Ort liegt, geben Sie uns gerne einen Hinweis an geothermie@stadtwerke-landshut.de.

Was bekomme ich als Anwohner von der Messung mit?

Die Vibro-Trucks bewegen sich entlang der Messroute langsam vorwärts. Etwa alle fünf Meter halten sie an und erzeugen über Rüttelplatten Vibrationen. Diese dauern zwischen 30 und 60 Sekunden. In unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs sind die Vibrationen als Kribbeln in den Fußsohlen spürbar. Auch in Gebäuden entlang der Messroute können Vibrationen wahrnehmbar sein. Die Bodenschwingungen werden begleitend gemessen, sodass die in der DIN 4150 Norm zu Erschütterungen im Bauwesen und Einwirken auf bauliche Anlagen definierten Grenzwerte eingehalten werden.

Wie laut sind die Fahrzeuge?

Bei den eingesetzten Messfahrzeugen handelt es sich um kompaktere Spezialfahrzeuge vom Typ INOVA UniVib. Laut Herstellerspezifikation beträgt die Lautstärke im Betrieb 81 dB(A) in einer seitlichen Entfernung von 7 Metern. Durch den schnellen Ablauf der Messung verweilt das Fahrzeug nur wenige Minuten an einem Ort, sodass die kurzzeitige Geräuscheinwirkung mit dem Vorbeifahren eines normalen Nutzfahrzeugs vergleichbar ist.

Besteht die Gefahr von Schäden an Gebäuden?

Seismische Messungen wurden schon in vielen Städten und Gemeinden durchgeführt. Hier hat sich gezeigt, dass diese Messungen auch in dichtbesiedelten Orten ohne große Probleme durchgeführt werden können.

Während der Messungen wird ein Sicherheitsabstand zu den Gebäuden eingehalten und die Bodenschwingungen gemäß DIN 4150 begleitend gemessen und dokumentiert, sodass der Einfluss von Erschütterungen an Gebäuden von vorneherein bestmöglich vermieden wird. Sollten die gemessenen Werte einen festgelegten Schwellenwert erreichen, der noch unterhalb dieser DIN-Norm liegt, wird die Intensität der Vibrationen umgehend reduziert. Ist absehbar, dass die Anhaltswerte am Immissionsort nicht eingehalten werden können, wird dieser Anregungspunkt ausgelassen.

Sollten Sie im Vorfeld Bedenken oder Ihr Gebäude bereits Vorschäden haben, melden Sie sich bitte unter geothermie@stadtwerke-landshut.de mit Angabe Ihrer Adresse und Telefonnummer, damit wir uns mit Ihnen in Verbindung setzen können.

An wen wende ich mich, falls ich einen Schaden bemerke?

Sollten Sie im zeitlichen Zusammenhang mit den 2D-seismischen Messungen einen Schaden an Ihrem Gebäude oder Grundstück feststellen, melden Sie diesen bitte möglichst zeitnah an geothermie@stadtwerke-landshut.de. Bitte teilen Sie uns dabei Ihre Adresse, eine Telefonnummer sowie eine kurze Beschreibung des Schadens mit. Fotos des Schadens können Sie der Meldung gerne beifügen.

Das von den Stadtwerken Landshut beauftragte Unternehmen, die GEOPS GmbH, wird die Schadensmeldung aufnehmen und den Schaden vor Ort dokumentieren und besichtigen. Dabei wird geprüft, ob ein Zusammenhang mit den durchgeführten Messarbeiten besteht.

Sollte der Schaden nachweislich durch die 2D-seismischen Messungen verursacht worden sein, werden die hierfür erforderlichen Kosten übernommen bzw. der Schaden entsprechend reguliert.

Sollten hinsichtlich der Schadensursache unterschiedliche Einschätzungen bestehen, wird eine unabhängige fachliche Begutachtung hinzugezogen.

Um eine möglichst eindeutige Beurteilung zu ermöglichen, empfehlen wir Eigentümern und Mietern, bereits vorhandene Vorschäden vor Beginn der Messarbeiten zu dokumentieren und uns bekannte Vorschäden vorab mitzuteilen.

Die Sicherheit von Menschen und Tieren sowie der Schutz von Gebäuden und Infrastruktur liegen uns am Herzen. Deshalb werden die Messarbeiten sorgfältig geplant, überwacht und dokumentiert, um mögliche Auswirkungen und Schäden bestmöglich zu vermeiden.

Wie wird über die Messung informiert?

Über die Messung informieren wir

Betroffene Eigentümer entlang der Messrouten wurden bereits persönlich über ein Anschreiben informiert.  Eine Anwohner-Info im Vorfeld der Messungen erfolgt demnächst. Die kommenden Termine, wo Sie sich vor Ort informieren können, sind:

31. Oktober 2026:  Info-Samstag im Kundenzentrum, Altstadt 74, von 10 bis 13 Uhr. Interessierte können Projektleiter Simon Meier ihre Fragen zur Seismik-Messung und zum Geothermie-Projekt stellen.

14. November 2026: Infoveranstaltung mit einem Vibro-Truck auf dem Stadtwerke-Gelände, Christoph-Dorner-Straße 9, von 11 bis 14 Uhr. Interessierte können sich bei Mitarbeitenden der Stadtwerke sowie der für die Messung beauftragten Firma DMT Group darüber informieren, wo und warum das Spezialfahrzeug zum Einsatz kommt, wie die Messungen und Sicherheitsvorkehrungen ablaufen, welche möglichen Auswirkungen zu erwarten sind und was die Ziele des Projekts sind.

Sie haben weitere Fragen?

Vibrotruck wie er in Landshut eingesetzt wird
Grafische Darstellung der Malmschichten vom Voralpenland bis Straubing

Geothermie allgemein

Tiefengeothermie nutzt Wärme aus tiefen Gesteinsschichten. Je nach den Bedingungen im Untergrund kann warmes Thermalwasser für die Wärmeversorgung genutzt werden. In der Region zwischen Alpen und Donau gibt es geologische Voraussetzungen, die auf ein hohes Potenzial für Tiefengeothermie hindeuten. Im Raum München wird Tiefengeothermie bereits erfolgreich zur Wärmeversorgung verwendet. Ob in Landshut ausreichend heißes Thermalwasser vorhanden ist und ob es technisch und wirtschaftlich gefördert werden kann, soll genauer untersucht werden. Der erste Schritt dazu ist die 2D-Seismik-Messung.

Geothermie hat den Vorteil, dass sie 365 Tage im Jahr verfügbar ist. Sie liefert die Erdwärme unabhängig von Tages- und Jahreszeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Tiefengeothermie und oberflächennaher Geothermie?

Bei der oberflächennahen Geothermie wird die Wärme aus oberen Bodenschichten gewonnen. Diese werden vor allem durch Sonneneinstrahlung, Niederschläge und Grundwasser beeinflusst. Für die Wärmeversorgung von Gebäuden wird die Wärme meist mithilfe einer Wärmepumpe auf die benötigte Temperatur gebracht. Die grobe Grenze zur Tiefengeothermie liegt bei etwa 400 Metern. Die Tiefengeothermie erschließt Wärme aus tieferen Gesteinsschichten in mehreren hundert bis mehreren tausend Metern Tiefe. Dort ist es in der Regel wärmer und Einflüsse von der Erdoberfläche spielen eine geringere Rolle. Ob die Wärme genutzt werden kann, hängt von den konkreten geologischen Bedingungen ab.

Wie funktioniert Tiefengeothermie?

Um Geothermie zu nutzen, wird über Bohrungen heißes Thermalwasser an die Oberfläche gefördert. In der Geothermieanlage wird seine Wärme auf das Fernwärmenetz übertragen. Das abgekühlte Wasser fließt anschließend durch eine zweite Bohrung (Injektionsbohrung) wieder zurück in die Tiefe.

Diese einzelnen Stationen nimmt das Thermalwasser für die Gewinnung von Wärmeenergie:

  1. Eine Pumpe bringt das Thermalwasser über die Förderbohrung nach oben. Je tiefer die wasserführende Gesteinsschicht liegt, desto wärmer ist das Wasser in der Regel.
  2. An der Oberfläche gibt das Thermalwasser seine Wärme in einem Wärmetauscher an ein separates System ab. Eine Großwärmepumpe kann die Temperatur zusätzlich auf das für das Fernwärmenetz benötigte Niveau anheben. Thermalwasser und Fernwärmewasser bleiben dabei getrennt.
  3. Das abgekühlte Thermalwasser wird über die Injektionsbohrung wieder in die wasserführende Gesteinsschicht geleitet. So bleibt das Thermalwasser in einem geschlossenen Kreislauf. Geothermieanlagen sind nach heutigem Stand so geplant, dass im Durchschnitt frühestens nach 50 Jahren Betrieb an einer Entnahmebohrung eine Abkühlung von maximal 1 °C eintritt.
  4. Die gewonnene Wärme gelangt über das Fernwärmenetz zu den angeschlossenen Gebäuden. Dort wird sie zum Heizen und zur Warmwasserbereitung genutzt.

Eine Geothermieanlage kann so ganze Stadtteile mit Wärme versorgen.

Schema wie über eine Energiezentrale Tiefengeothermie gefördert wird